Entscheidungsfindung

Nach 15 Jahren des Zusammenlebens in diesem Projekt sind wir einen neuen Schritt in unseren internen Strukturen gegangen. Wir wollen unser Gemeinschaftsleben in Sieben Linden stärker durch gemeinsame persönliche Erlebnisse, gegenseitige persönliche Unterstützung und durch gemeinsames Feiern erleben und weniger durch den Prozess, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Unser Ziel ist es, ein System zu entwickeln, in dem die Entscheidungen, die für unsere Gemeinschaft die besten sind, gefunden werden, ohne dass unsere kostbare gemeinschaftliche Zeit durch nervenaufreibende Kämpfe um die richtige Lösung verdorben wird. 

Grundlage des Entscheidungsmodells ist das Bewusstsein unserer gemeinsamen Ausrichtung. Dazu haben wir uns auf gemeinsame Leitsätze geeinigt, die uns zur Ausrichtung und als Übungsweg dienen sollen:

Ich diene dem Leben.

Ich begegne in Liebe und Vertrauen.

Ich reife an dem, was mir begegnet.

Ich übe mich in Wahrhaftigkeit.

Ich übernehme Verantwortung.

Ich engagiere mich für eine nachhaltige Welt.

Kleingruppen

Wir haben ein Entscheidungsmodell entwickelt, in dem Entscheidungen möglichst dezentral getroffen werden sollen und dabei größtmögliche Transparenz und ein begrenztes Einspruchsrecht herrschen. Grundlage ist die Übernahme von Verantwortung jedes/r Bewohner_in für mindestens einen Themenbereich und das Engagement in 2-3 Kleingruppen (z.B. Siedlungsplanung, Zuzug, Politik, Rundbrief, Küchenteam uvm.) bzw. einem Rat (siehe unten). Die Arbeit in einer Kleingruppe bedeutet in manchen Fällen eher Koordination und Planung, in anderen Fällen klare Verantwortung für die Durchführung bestimmter Arbeiten. Gehen die Fragen über den Kompetenzrahmen der Gruppe hinaus und betreffen eher die gesamte Gemeinschaft, werden sie dem zuständigen Rat vorgelegt.

Räte

2009 wurde ein neues Rätesystem eingesetzt mit fünf gewählten Räten, die bestimmte Bereiche von Entscheidungen autonom und im Konsens entscheiden. 
Die Räte sind: Siedlungsgenossenschaft, Soziales, Bauen, Bildungsrat (Freundeskreis e.V., Gästebetrieb, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit), Lebensmittelversorgung. Die Wahlen finden jährlich statt. Sie fassen jeweils eine Gruppe von Kleingruppen zusammen mit denen sie zusammenarbeiten. Es gibt weiterhin wenige Entscheidungen, die von der gesamten Gemeinschaft in Vollversammlungen gefällt werden, z.B. Zuzug von Menschen, Finanzentscheidungen über 40.000 Euro von SiGe und Freundeskreis e.V. und Vergabe von Land an Nachbarschaften.

Kreise

Zusätzlich zu den Räten gibt es noch zwei Kreise: Ökonomiekreis und Impulskreis. Der Ökonomiekreis beschäftigt sich mit Fragen der Finanzmöglichkeiten in Sieben Linden, berät Menschen aus dem Gemeinschaftskurs und betrachtet die ökonomische Situation Sieben Lindens mit Weitblick. Der Impulskreis ist 2012 ein Experiment, es ist eine rotierende Gruppe, an der alle Bewohner_innen nach Losverfahren teilnehmen. Jede Impulsgruppe ist einen Monat zuständig, daruf zu schauen, was die Gemeinschaft braucht und das auch in einen sog. Impuls umzusetzen.

Konsensfindung

Das Ökodorf hat hier schon seine eigene Konsensgeschichte. Begonnen wurde das Projekt mit absolutem Konsens, der nach einer Weile zu Konsens minus eins wurde (ein Veto reicht nicht, um eine Entscheidung zu stoppen, es müssen zwei werden, um dieses Gewicht zu tragen). Heute entscheiden wir nicht mehr immer im Konsens, räumen aber dem Konsensprozess (alle Bedenken hören und ernst nehmen) weiterhin viel Platz ein. Wichtig ist uns jetzt, dass zumindest 2/3 der entscheidenden Bewohner_innen ein klares Ja haben. Das Veto hat aufschiebende Wirkung. Bis zur nächsten Vollversammlung muss ein „besserer“ Beschlussvorschlag erarbeitet werden, in dem sich der/die Vetoträger_in wiederfindet. Es gibt weiterhin die Möglichkeit mit „Nein, aber ich trage mit“ oder mit „Enthaltung“ zu stimmen.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Das Modell basiert auf dem Prinzip Vertrauen. Vertrauen in die Entscheidungen der in ihren Teilbereichen kompetenten oder engagierten Menschen. D.h. „es muss nicht mehr jede_r mitreden“. Wer das trotzdem möchte, hat viel zu tun. Gleichzeitig ist ein guter Informationsfluss vonnöten, um die angestrebte Transparenz auch zu erreichen. In erster Linie wird das über schriftliche Protokolle erreicht. Im Foyer des „Nordriegels“ befindet sich unsere Informationszentrale. Hier steht das Mitteilungsbuch (zur schnellen Kommunikation für unspektakuläre Fragen, wie „habe Regenjacke zu verschenken“, „wer kennt sich aus mit ökologischen Waschmitteln?“ , „Habe vor....wie findet ihr das, sprecht mich an!“) und die Protokolle der Kleingruppen und der Vollversammlung. Hier wird an einer Pinnwand die Vollversammlung vorbereitet. Bei persönlichen Fragen ist in jedem Fall der schriftlichen Kommunikation das „Du zu Du“ jedoch vorzuziehen.