Ökologisch Bauen in Sieben Linden

Da das Ökodorf „auf der grünen Wiese“ entsteht, hat das nachhaltige Bauen, eine zentrale Bedeutung. Hier gelten bindende und strenge Baukriterien (in einer Satzung festgehalten, z.B. betreffend Niedrigenergiestandard, Baumaterialien, Raumbedarf, Einbindung ins Ganze...).
 Die Baukriterien einzuhalten und dabei gleichzeitig Ästhetik, Komfort und soziale Ansprüche an die Architektur zu berücksichtigen ist nicht ganz einfach. Und dann muss man es sich auch noch - zeitlich und finanziell - leisten können. Viele Träume wurden geträumt und an den ökologischen und ökonomischen Vorgaben zurechtgestutzt. Aus dem runden Traumhaus wurde schon so manches Eckige. Der erste Blick in das Dorf löst in vielen Menschen Verwunderung aus, da sie mit einem alternativen Leben, auch kreativeres Bauen verbinden. Das geht auch vielen Bewohner_innen so, und es wird weiter geforscht an machbaren ökologischen Formen. 
 Als alternative Baustoffe werden vor allem Holz, Lehm, Strohballen, „Isofloc“ und Hanf verwendet. An der Entwicklung des Strohballenbaus in Deutschland bis hin zur „Allgemeinen Baustoffzulassung“ haben die Bauprojekte in Sieben Linden in Zusammenarbeit mit dem  Fachverband Strohballenbau 
maßgeblichen Anteil. 
 
 Das Wohnen in Bauwagen ist als Übergang akzeptiert. Kann doch kein Bauwagen den Baukriterien standhalten, selbst wenn ein Maximum an Ökologie eingebaut wird. Das Bauwagenleben wird von den einen notgedrungen ausgehalten, von den anderen als naturnahes Wohnen geliebt. In der Zukunft sollen nur noch etwa 10 % der Bewohner_innen in Bauwagen leben. Auch „kleine Bauten“, d.h. kleine Bauwagenähnliche, feste Behausungen, werden von einigen favorisiert, doch sind ökologische Fragen und die Einhaltung der Baukriterien bisher ungeklärt.

Die Häuser

Die Nachbarschaften werden hier beschrieben

  • In den Jahren 1998/1999 wurde das heutige Regiohaus ausgebaut. Unter tatkräftiger Mithilfe von freireisenden Gesell_innen und vielen Bauhelfer_innen wurde der Backsteinbau völlig entkernt und bekam einen neuen Dachstuhl. Das Haus wurde außen mit Isofloc gedämmt und bekam eine Verschalung mit Lärchenholz. Es entstanden Räume für den Seminarbetrieb (Schlafräume und ein großer Seminarraum), eine Großküche und mehrere Essräume, sanitäre Einrichtungen, eine Bibliothek und ein Kinderzimmer. 

  • In den Jahren 2001/2002 wurde der „Nordriegel“ renoviert. Hier wurde eine Dachdämmung mit Strohballen vorgenommen. Es entstanden weitere Schlafräume für den Seminarbetrieb, ein großer Gemeinschaftsraum, ein Büro und Räume für unsere „Ladenzeile“: Bioladen, Schmuckschmiede, Planungsbüro, Infobüro und Vereinsraum mit angeschlossenem Tanzraum. 

  • Die ersten Wohnhäuser wurden 2000/2001 fertig gestellt: Die Nachbarschaft „81,5“ (so benannt nach dem Holz-Rahmenmaß der Häuser) begann im April 2000 mit dem Bau der ersten Wohnhäuser (für ca. 20 Menschen) im Niedrigenergiestandard. Bauherrin ist die Wohnungsgenossenschaft. Im November 2000 zogen die ersten Bewohner_innen ein - unter ihnen viele Kinder. 

  • Die ehemalige Nachbarschaft "Club99" begann 2001 mit dem Bau ihres Gemeinschaftshauses „Villa Strohbunt“. Gemäß ihren Grundsätzen wurde das Haus von Hand und mit ausschließlich regionalen Baustoffen gebaut. Im Haus befinden sich eine Großküche und ein großer Gemeinschaftsraum. Im Jahr 2004 war das Haus komplett fertig gestellt. Im selben Jahr wurden zwei Strohballenkuppeln gebaut, eine als Badekuppel, die andere als Lagerraum. Das Haus und die Kuppel werden jetzt von der Gruppe „Bande“ bewohnt. 

  • Über eine neu gegründete GmbH wurde im Jahr 2003 eine Holzwerkstatt gebaut, in Holzrahmenbauweise mit Niedrigenergie-Standard. Im Erdgeschoss bietet sie einen großen Raum für professionelle Tischlerarbeiten. Im Obergeschoss entstanden zwei kleinere Räume (Büro und Haustechnik-Werkstatt, Atelier) und eine sogenannte „Selbsthilfewerkstatt“: Hier können die Bewohner_innen Holz-, Papier-, Näh- und andere Arbeiten erledigen. 2010 wurde ein ca. 100 m2 großer, eingeschossiger Anbau an die Werkstatt fertiggestellt, der es nun ermöglicht, professionelle Maschinenarbeiten in einem separaten Maschinenraum auszuführen, so dass die ehemalige Holzwerkstatt zum „Bankraum“ für das Fertigstellen von Möbeln und anderen Holzarbeiten zur Verfügung steht. 

  • Seit 1999 bewohnen einige Ökodörfler_innen ein Haus in Poppau: den „Poppauer Hof“. Über die Jahre hinweg entwickelte sich hier eine Wohngruppe. 2004 wurde das Gebäude von der Wohnungsgenossenschaft für den symbolischen Preis von 1 Euro gekauft. Die folgenden Jahre wurden der ökologischen Sanierung gewidmet: die meisten Fenster wurden ausgetauscht, das Dach ist gedämmt, die Öl- durch eine Holzheizung ersetzt worden. Es wurden neue Räume sogar mit Terrasse zum Innenhof ausgebaut. Eine Pflanzenkläranlage wurde angelegt und solare Warmwasserbereitung installiert. 

  • Die Südwestecke Sieben Lindens wird seit 2004 auf eine ganz eigene Art erschlossen. Die Brüder Wolf und Milan Müller waren die Schöpfer von „Globolo“. Über die Jahre enstanden in Globolo drei Jurten - die der Stille, der Gastfreundschaft und der Heiterkeit gewidmet sind -, ein Labyrinth, zwei Weidenkuppeln und ein bepflanzter Wandelgang. Angrenzend wurde 2006 ein weiteres Feuchtbiotop angelegt. Globolo ist ein Ort für Stille und Begegnung, aber auch zum Wohnen für eine Gruppe von Menschen in ihren Bauwagen. 

  • 2004 wurde von der Wohnungsgenossenschaft das damals größte Strohballenhaus Europas fertiggestellt, das dreistöckige „Strohpolis“. Hier wohnen ca. 20 Menschen in Wohngemeinschaften oder Appartements. Außerdem findet sich hier eine Einmachküche (für die Selbstversorgung der Gemeinschaft mit Aufstrichen, Marmelade u.ä.). Das Haus ist in Holzständerbauweise errichtet mit Strohballen gedämmt, mit Lehm verputzt. Der Bau dieses Hauses wurde begleitet vom Genehmigungsverfahren für den Baustoff Strohballen für dessen „Allgemeine Baustoffzulassung“, die 2006 dann endlich errungen wurde. 

  • Im Jahr 2007 bezog die Nachbarschaft „Brunnenwiese“ ihr Spiralhaus, das einen großen Gemeinschaftsraum und Wohnraum für bis zu acht Menschen birgt. Besonderheiten sind die spiralförmige Anordnung der Zimmer um den sogenannten „Warmen Kern“ - einem Grundofen in der Hausmitte. Das Haus wurde im Erdgeschoss mit Hanf, im Obergeschoss mit Stroh gedämmt und ebenfalls mit Lehm verputzt. Die Aussenhülle wurde von der Wohnungsgenossenschaft gebaut.

  • 2008 entstand auf dem Campingplatz der sog. „Kubus“, ein 1-Raum-Strohballenhaus, das als Gästezimmer genutzt wird. 

  • Seit Ende 2008 ist mit der „Villa Communia ein weiterer Bau auf dem ehemaligen Club99-Gelände fertiggestellt und bezogen. Hier wurden im Vergleich zur „Villa Strohbunt“ baulich einige Kompromisse gemacht (z.B. Einsatz von Maschinen). Die Villa Communia ist ein einfaches Wohnhaus für 5 Personen und ein Büro, ein Holzfachwerkhaus mit Strohballendämmung. 

  • 2008 entstand das Wohnhaus der Nachbarschaft „Windrose“. Es steht auf der Nordostecke des Südwestfeldes (daher der Name) und wurde in Holzständerbauweise mit Strohballendämmung errichtet. Erstmals wurde hier ausprobiert, die Strohballenwände in einer Halle vorzufertigen (sogar mit Unterputz) und dann mit dem Kran aufzubauen. Das machte die Baustelle wetterunabhängiger, und es konnte frühzeitiger mit dem Strohballenbau begonnen werden. In diesem haus der Wohnungsgenossenschaft wohnen zur Zeit neun Erwachsene und sechs Kinder.

  • 2010 enstand das Sonnenhaus "Libelle", ein (fast-)Passivhaus. Große Kollektorflächen, Geothermie und ein großer Solarwasserspeicher gewähren den Bewohner_innen Wärme, auch wenn die Sonne mal nicht scheint. Bei längerer sonnenloser Zeit gibt es die Möglichkeit zuzuheizen. Der Holzverbrauch liegt bei 0,4 m³ pro Jahr und Mensch. Der Energieverbrauch für Warmwasser und Heizen liegt bei diesem Haus unter 300 kWh pro Jahr und Mensch. Der gesammte Energieverbrauch des Hauses und seiner Bewohner_innen beträgt 1/10 des Bundesdurchschnitts. Dieses Haus wurde von der Wohnungsgenossenschaft gebaut.

  • Zur gleichen Zeit wurde auch das Einraumhaus „Bellevue“ erstellt, ein kleines Strohballenhaus, das mit Seminaren als eine Art „Lehrbaustelle“ errichtet wurde und ausschließlich Wohnraum, ohne Küche und Bad bietet: Der Versuch eines ökologischen Ersatzes für einen Bauwagen.

    Aktuell: ein Zweifamilienhaus in Strohballenbauweise südlich der Libelle am Garteneingang und der Meditationspavillon.

    Stand 2/2013