Inhalt: 

·         Was ist Permakultur?

·         Ein Anwendungsbeispiel: Das Ökodorf Sieben Linden

·         Permakultur lernen

·         Angebote in Sieben Linden

 Was ist Permakultur?

 Definition

 Permakultur ist ein Gestaltungsansatz, der uns ermöglicht, unsere Lebensräume nachhaltiger gestalten.

Die beiden „Pioniere“ und Begriffspräger, Bill Mollison und David Holmgren, waren in den 70er Jahren in Australien auf der Suche nach einer nachhaltigeren Form der Landnutzung als sie damals wie heute in weiten Teilen der Erde betrieben wurde und wird. Bill Mollison erhielt für seine Arbeit 1984 den Alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award). Obwohl der Begriff Permakultur aus den Worten „permanent agriculture“ (dauerhafte Landnutzung) gebildet wurde und viele Menschen sofort an eine bestimmte Art von Gartenbewirtschaftung denken, hat sich die Bedeutung zügig zu einer Beschreibung für „permanent culture“, eine dauerhafte menschliche Kultur, weiter entwickelt.

Bei dieser neuen Form der Landnutzung und der Gestaltung von Projekten o.ä. wird versucht, entsprechend dem Grundsatz "80% Planen, 20% Tun" zu arbeiten und "arbeits- und ressourcenextensive und gleichzeitig ertragsintensive" Lösungen zu entwickeln. 

 
 Ethik

 Dem permakulturellen Gestaltungsansatz liegt eine Ethik zugrunde, die in anderen planerischen Ansätzen in dieser Form nicht zu finden ist. 

 Permakultur macht sich zur Aufgabe, folgenden drei Aspekten Rechnung zu tragen:

·         Sorge um die Erde (Earth Care)

·         Sorge um den Menschen (People Care)

·         Gerechtes Verteilen und Nutzen von Ressourcen (Fair Shares)

 Entsprechend der Nachhaltigkeitsdefinition streben permakulturell gestaltete Systeme an, in der Gegenwart und für nachfolgende Generationen von Lebenwesen allen die gleichen Lebensbedingungen zu ermöglichen und zu hinterlassen, wie wir sie vorfinden. Dabei geht es nicht um die Verbreitung des westlichen, nicht nachhaltigen Lebensstandards auf alle Regionen der Erde, sondern um ein Bewusstsein für herrschende Ungerechtigkeiten und um das Aufzeigen und Etablieren von Alternativen.

 

Prinzipien

 Handlungsweisend in der Gestaltung sind verschiedene Prinzipien, die in erster Linie aus der Beobachtung von Ökosystemen abgeleitet wurden. Die Fragestellung war: „Welche Prinzipien liegen sich selbst erhaltenden Systemen zugrunde?“

 Dabei wurden immer wieder auftauchende Grundsätze der Ökologie und anderer Systeme erkannt und versucht, diese so abstrakt zu formulieren, dass sie auf andere Zusammenhänge übertragbar sind.

Beispiele hierfür sind die Ökosystemkriterien, z.B.

·         Vielfalt – erhöht die Stabilität eines (Öko-) Systems, im Gegensatz zu Monokultur, die einen hohen Energieaufwand braucht und auf Einflüsse von Außen mit Schwierigkeiten reagiert.

·         Durchlässigkeit – das (Öko-) System hat keine starren, geschlossenen Grenzen sondern ist bis zu einem gewissen Grad offen für Einflüsse von und nach Außen.

 

Die Prinzipien können dazu dienen, einen Entwurf zu überprüfen: 

"Habe ich das Prinzip "Schaffe Kreisläufe statt Abflüsse" berücksichtigt? Wenn nein, wo sind die Abflüsse in meinem System und wie kann ich diese in einen Kreislauf einbinden?"

 

 Gestaltungsprozess und -Methoden

 Permakultur-Gestaltung ist ein Prozess, bei dem es darum geht, mit der zu gestaltenden Umgebung oder Aufgabe eine Verbindung aufzunehmen, so dass die Gestaltung selbst eine logische Folge aus dieser Verbindung ist. 

Für diesen Prozess können unterschiedliche Prozeduren herangezogen werden, die aus mehreren Phasen bestehen. Eine klassische Prozedur ist z.B. „OBREDIMET“ (Akronym aus den Worten Observation, Boundaries, Ressources, Evaluation, Draft, Implementation, Maintenance, Evaluation, Tweaking for Improvement).

 Zu Beginn einer jeden Gestaltungsaufgabe liegt die Beobachtungsphase (Observation). Sie ist zentral, denn sie sammelt Informationen über Hintergründe, vorhandene Pflanzen und Tiere, soziale Strukturen, finanzielle Möglichkeiten, etc. 

 Eine weitere wichtige Phase ist die Analyse (Boundaries, Ressources, Evaluation), in welcher die Informationen strukturiert und bewertet werden – was ist wichtig, was nicht so sehr? Was ist eine Einschränkung, was ein Vorteil?

 Die Entwurfsphase (Draft) folgt, sobald die Gestaltenden mit dem Projekt, der Umgebung,... verbunden sind.

In der Entwurfsphase wird auf der Grundlage der gesammelten Informationen und mit Unterstützung der Prinzipien und der Ethik eine Gestaltung entwickelt, die den Bedürfnissen aller entspricht. Ist ein stimmiger Entwurf gefunden, kann mit der Umsetzungsphase (Implementation) begonnen werden. 

 Während aller Phasen läuft die Beobachtung immer mit und geht bei der Umsetzung in eine Evaluierung des Geschaffenen über, womit der Kreislauf im Grunde von vorn beginnt bzw. an der Verbesserung von Detaillösungen gearbeitet werden kann (Tweaking for Improvement).

  Für jede dieser Phasen gibt es Methoden, die dabei helfen, Informationen zu sammeln, diese zu strukturieren und in der Entwurfsphase die Komplexität eines ganzheitlichen Entwurfs herunter zu brechen und zu erleichtern. 

 Das Ziel des Gestaltungsprozesses ist der Entwurf (und die Umsetzung) eines ganzheitlichen Konzeptes für ein Gelände oder andere Lebensbereiche, so dass dieser möglichst energie- und arbeitsextensiv und gleichzeitig ertragsintensiv angelegt ist und insgesamt der ethischen Grundlage entspricht.

Ein Anwendungsbeispiel: Das Ökodorf Sieben Linden

 Die Vorarbeit

 Nach der Vereinsgründung im Jahr 1991 wurden erste Planungsseminare veranstaltet und Hochschulgruppen eingeladen, Entwürfe zu entwickeln. Hieraus wurde das Siedlungskonzept erstellt, welches dem Ökodorf zugrunde liegt. 

Nachdem der erste mögliche Standort des Ökodorfes geplatzt war, wurde die 1993 Siedlungsgenossenschaft gegründet und die Gründungsgruppe konzentrierte sich vorrangig auf Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für das Konzept einer ökologischen Siedlung. Sie erwarb damit im Jahr 1996 den TATOrte-Preis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). 

Kurz danach wurde der Standort "Poppau" gefunden, der sich aus verschiedenen Gründen anbot: wichtigstes Kriterium war, dass das Land zusammenhängend war UND schon bestehende Gebäude vorhanden waren. Weitere Gründe waren die vorhandene Erschließung mit Straßen und Elektrizität, ÖPNV relativ nah (damals gab es noch eine Zuglinie in 2,5 km Entfernung), ein Standort, der Solarenergie-Nutzung ermöglichte, etc. Nicht zuletzt war auch das Wohnwollen der Gemeinde (v.a. des Bürgermeisters) ein Pluspunkt.

Um dem Wunsch und Anspruch nach einer "Nutzer_innenbeteiligten Dorfentwicklung" gerecht werden zu können, stellten die Gründer_innen einen Förderantrag auf finanzielle Unterstützung für den Mehraufwand, der aus der Nutzer_innenbeteiligung entstehen würde, bei der DBU – dieser wurde bewilligt. Dadurch konnte eine Person für 1 Jahr lang bezahlt arbeiten und notwendige Schritte einleiten um den Standort genau zu untersuchen. Alle weiteren Leistungen (Seminare, Gutachten,...) wurden von den zukünftigen Siedler_innen getragen. 

 

Der Entwurf 

 Unter Begleitung einer Städteplanerin und eines Permakultur-Designers wurde das Gelände bei Poppau ein Jahr lang (von 1997-1998) genau untersucht: Flora und Fauna wurden ermittelt, ein Wind- und ein Solarnutzungsgutachten erstellt, der Boden untersucht. In der Analysephase wurden Restriktionen und Potenziale (z.B. in Bezug auf Bodenqualität, Geländeausrichtung,...) ausgewertet.

Und in mehreren Seminaren wurden Siedlungsentwürfe erstellt, die in gemeinsamer Entwurfsarbeit der Siedler_innen entstanden. 

Der Entwicklung des Bebauungsplanes und der örtlichen Bauvorschrift für das Ökodorf liegt somit ein reichhaltiger Schatz an Informationen und Siedlungsentwürfen zu Grunde. In der Entwurfsphase für den Bebauungsplan wurde mit der Methode "Zonierung" eine Abstufung entlang des Kriteriums "Öffentlichkeit" erstellt und eine weitere entlang des Kriteriums "Lautstärke". Im Ergebnis bedeutet dies, dass die öffentlicheren Bereiche zwischen Dorfeingang und Dorfmitte liegen, die privateren eher dahinter. Die lauten Gewerbe sind ebenfalls beim Dorfeingang angesiedelt (Holzwerkstatt, auch wegen Zulieferung), während die ruhigeren Wohnbereiche im entfernteren Teil des Dorfeingangs sind. 

 In all diesen Schritten wurde mit verschiedenen professionell arbeitenden Personen und Büros zusammen gearbeitet, die Hauptarbeit leisteten jedoch größtenteils Laien, die sich in diese Planungsaufgabe neu einarbeiteten.

 

Die laufende Arbeit 

 Die Siedlungsplanung ist im Ökodorf Sieben Linden ein kontinuierlich laufender Prozess – es gibt für viele Dinge, die verortet werden wollen, keinen genaueren „Masterplan“ als den Bebauungsplan mit seinen verschiedenen Zonen. Die Siedlungsplanungsgruppe bearbeitete jahrelang kontinuierlich einzelne Vorhaben (vom Kompostklo bis zur Wohnanlage) und ihre räumliche Einbindung. Die Nachbarschaften werden entsprechend ihrer Wunschgröße mit einem Gelände versehen und müssen für die Entwicklung dieses Geländes einen Entwurf vorlegen, der auch die umliegenden Gelände einbezieht. 

Um diesen Gestaltungsprozess professioneller zu begleiten, gab es in den letzten Jahren die „Gesamtsiedlungsplanungsgruppe“, die jetzt durch den Baurat vertreten wird. 

Die Gesamtsiedlungsplanungsgruppe hat einen Kriterienkatalog erarbeitet, der sie bei der Verortung von Gebäuden und Strukturelementen unterstützt. Grundlage dieses Kriterienkatalogs war eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Raum in Sieben Linden, mit der Tatsache, dass jedes entstehende Gebäude ein gestaltendes Element ist, welches die Zukunft determiniert, Permakultur-Prozeduren und darin z.B. Geomantie-Wissen sowie mit architektonischen Fragen und genauer gesagt mit der Arbeit von Christopher Alexander, einem amerikanischen Architekten, der u.a. das Buch „eine Mustersprache“ verfasst hat. 

So arbeiten die Planer_innen in Sieben Linden daran, immer das Gesamtbild im Auge zu behalten, dem Prozess ausreichend Raum zu geben und trotzdem entscheidungsfähig zu bleiben. 

 

Permakultur lernen

 Wer mehr über die Arbeit mit Permakultur wissen möchte, hat inzwischen auch in Deutschland eine große Auswahl an Wochenend-Einführungskursen zur Verfügung. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, Kurse am eigenen Lebensort zu organisieren (s.u.)!

 Einen tieferen Einblick in die Arbeit mit Permakultur gibt der sogenannte "Permakultur-Design-Kurs" oder "72-Stunden-Kurs". Dieser bietet über einen Zeitraum von anderthalb bis zwei Wochen oder über vier Wochenenden die Möglichkeit, Grundkentnisse über ökologische Zusammenhänge (Boden, Wasser, Klima, Pflanzen,...) und erste Schritte mit den verschiedenen Methoden zu machen.

 Die Ausbildung zur/m "Permakultur-Gestalter_in" wird in Deutschland von der "Permakultur-Akademie" angeboten, deren Sitz in Berlin ist. Die Ausbildung findet jedoch dezentral organisiert dort statt, wo die Studierenden leben oder ihre Projekte durchführen möchten. Sie dauert zwei oder drei Jahre, im ersten Jahr begleitet ein Fernkurs den Weg in die Selbstorganisation und die Lernenden erhalten Unterstützung durch Tutor*innen (ausgebildete Permakultur-Gestalter*innen). Dieses Modell bietet größtmögliche Freiheit und Flexibilität der Ausbildung bei gleichzeitigem Strukturangebot der Permakultur Akademie. 

Genauere Infos auf der Webseite der Permakultur Akademie

   

Permakultur-Angebote in Sieben Linden

 Aktuelle Seminarangebote rund um Permakultur im Ökodorf Sieben Linden werden auf der folgenden Seite veröffentlicht:

http://www.permakultur-siebenlinden.de.

 

Das Angebot umfasst unter anderem:

·         Einführungskurse

·         Permakultur-Design-Kurse

·         Permakultur-Seminare mit spezielleren Schwerpunkten

 In der Regel gibt es in allen Seminaren auch die Möglichkeit, erste Informationen über das Ökodorf Sieben Linden zu erhalten.

 Darüber hinaus bietet *seed* weitere Unterstützung dabei, Permakultur und ganzheitliche Lebensweisen in den eigenen Alltag zu integrieren. 

  • (Stand Jan/15)