Junge Leute (JuLe)

Die Entwicklung...


Magere Zeiten waren es lange für die Menschen zwischen 16 und Ende 20 im Ökodorf Sieben Linden. Die Gemeinschaft wuchs und wuchs, aber in dieser Altersgruppe tat sich fast nichts, abgesehen vom jährlichen Wechsel der FÖJler_innen (Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr). In den ersten Jahren des Projektes (bis 2003, um genau zu sein) lebten gerade mal ein bis zwei Freiwillige in der Gemeinschaft sowie ein bis vielleicht drei weitere Menschen in dieser Altersgruppe (meist auch nur vorübergehend). In anderen Altersgruppen sind dagegen durchschnittlich 10 und mehr Menschen vertreten, viele davon mit Kindern.

Dennoch (oder gerade deswegen?) haben sich 2004 einige junge Erwachsene entschieden, im Ökodorf zu leben, obwohl sie noch nicht die „Schallgrenze“ 30 Jahre überschritten haben: Sie schlossen sich im April 2004 mit den damaligen FÖJler_innen zusammen und gründeten die „JuLe“, die Junge Leute Gruppe. Sie machten eine Zukunftswerkstatt und richteten einen Nachmittag pro Woche für sich ein, für Austausch, Planen, Spielen, Lernen und für Forum. Ein Café wurde ins Leben gerufen (mit dessen Einnahmen z.B. JuLe-Baugästen zum Teil ermöglicht werden kann, ohne Geld in Sieben Linden zu sein). Sie zogen zusammen in einen Wagenkreis und veranstalten jährlich eine Bau- und Lernwoche für Junge Leute im Ökodorf, die inzwischen zur Tradition geworden ist. Den Wagenplatz gestalteten sie nach Permakultur-Prinzipien und bepflanzten ihn im Frühjahr 2008 mit Hilfe von Fördergeldern der "Heidehof-Stiftung".

Die vierte JuLe-Bauwoche, die im März 2009 stattfand, haben sie im Sommer 2008 Wolf und Globolo zum 64. bzw. fünften Geburtstag geschenkt. In dieser Bauwoche haben sie eine Solaranlage für eine Außendusche mit den "Solarwarmduscher_innen" (www.solarwarmduscherinnen.de) sowie eine Sommerküche gebaut. Die in dieser Woche verbauten Materialien wurden durch das EU-Programm "Jugend in Aktion" gefördert, im Rahmen einer sogenannten "nationalen Jugendinitiative" mit dem Ziel, junge Erwachsene für Engagement im ökologischen und sozialen Bereich zu begeistern, sich gegenseitig zu inspirieren und voneinander zu lernen.

Kurz darauf, im Juli 2009, fand dann das erste Mal eine internationale JuLe-Bauwoche statt – das Programm „transnationale Jugendinitiative“ der EU (Link siehe oben) machte es möglich! Über 40 junge Erwachsene aus insgesamt 11 verschiedenen Ländern trafen sich für eine Woche, sprachen als (“studentsofsustainability.net“) über ihre Visionen und lernten von und miteinander. Über (www.facebook.com/SOSnet) und die noch im Aufbau befindliche Webseite soll die weitere Vernetzung erleichtert werden.

Parallel zu diesem Prozess und diesen Neuerungen hat sich die Anzahl der FÖJ-Stellen vervielfacht. Waren es 2003/2004 noch drei Freiwillige, so wurden es in den Folgejahren vier, dann fünf, dann sieben und seit dem Zyklus 2007/2008 jährlich neun Freiwillige im FÖJ, die mit anderen JuLes in Sieben Linden leben.
Zum Dank und zur Erinnerung an all die vielen Freiwilligen, die in den letzten Jahren das Ökodorf und davor das Projektzentrum in Groß Chüden unterstützt haben, hat die JuLe in der JuLe-Bauwoche 2007 eine Streuobstwiese im Ökodorf angelegt, deren Bäume von der "Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz in Sachsen-Anhalt" gefördert wurden. Die gepflanzten Apfel-, Birnen-, Pflaumen-, Kirsch- und Walnussbäume sowie Esskastanien werden allen Freiwilligen gewidmet.

Der Status Quo...

Inzwischen lebt die JuLe in Sieben Linden so, wie die meisten anderen Nachbarschaften:

  • Gemeinsam hat sie einen Bauwagenkreis auf einem sehr netten Platz im Dorf,

     
  • Sie wird als Gruppe wahrgenommen,

     
  • Sie trifft sich auch halbtags am Donnerstag, wie die anderen Nachbarschaften,

     
  • Sie hat ein gemeinsames Forum mit Begleitung von verschiedenen Sieben Lindener_innen

     
  • Sie nimmt an Intensivzeiten der Gemeinschaft teil und macht eigene Intensivzeiten für sich

     
  • Einmal wöchentlich findet ein Plenum statt, in dem sachliche Themen erörtert werden  – dort wird im Konsens entschieden, wer das JuLe-Café auf die Beine stellt, was am Nachbarschaftstag passieren soll und wer mit Klo leeren dran ist (u.a.)

     
  • Mit finanzieller Unterstützung einer anonymen Spende und durch die "Wohnungsgenossenschaft Sieben Linden e.G." wurde eine 20m² große Küche gebaut, die gleichzeitig Küche, Wohnzimmer, Gästeschlafraum und Büro der JuLe ist.

     
  • Wenn politische Aktivitäten anstehen (Demos gegen Castor-Transport oder gegen Nazis,…), dann sind die JuLes dafür zu haben.

     
  • Jedes Jahr werden etwa im September die neuen Freiwilligen von denen, die bleiben / hier leben, in die JuLe integriert - und die alten mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder in die Welt entlassen…,
    Die JuLe ist keine "richtige" Nachbarschaft, weil in ihr keine drei "festen Mitglieder" (Genossenschaftsmitglieder) von Sieben Linden wohnen. Dramatisch ist das nicht – im Gegenteil, es entspricht der Realität dieser Altersgruppe, sich noch nicht auf ein Projekt mit so hoher Verbindlichkeit festzulegen. Und die Gemeinschaft bringt der JuLe viel Wohlwollen und Begeisterung für ihre Energie entgegen. Nicht zuletzt erfüllt sie auch so einige wichtige Rollen im Ökodorf, zum Beispiel ist sie immer wieder Reibungsfläche für die Gemeinschaft Sieben Lindens, wenn es um das Thema "Jugendkultur" und Heranwachsen der Ökodorf-Kinder (an die JuLe) geht...

     

Unsere Vision...

Das ist es, was wir bisher umgesetzt haben. Das ist der Teil, den wir vor allem für die jungen Menschen, die hier länger als ein paar Monate leben, geschaffen haben. Bis jetzt ist das FÖJ die einfachste Möglichkeit, für einen begrenzten Zeitraum richtig tief einzutauchen in das Leben in der Gemeinschaft. Langfristig möchten wir noch mehr Wege eröffnen, die nicht durch das Alter, durch dieses Bundesland o.ä. Faktoren beschränkt sind (z.B. Ausbildungsplätze, EVS / European Volunteer Service,...). Aber die „Große Vision“ geht noch weiter. Wir möchten Sieben Linden zu einem Ort machen, an dem junge Menschen das lernen können, was sie wirklich wissen wollen und was es hier zu lernen gibt. Wir möchten den Gemeinschaftsgedanken spannend und schmackhaft machen und Ökologie zur Selbstverständlichkeit erklären. Wir wollen politisches Engagement fördern und Visionen spinnen… wir möchten Anlaufstelle sein für junge Menschen, die das Ökodorf kennen lernen und in Kontakt mit anderen JuLes in Gemeinschaften sein möchten . 
Das Stichwort Vernetzung kommt hier ins Spiel. Ein wichtiger Bestandteil unserer Vision könnte z.B. die „Travelling School of Life“ sein, ein Lernkonzept, das jungen Reisenden weltweit ermöglichen möchte, in Gemeinschaft(en) Dinge zu lernen, so dass beide Seiten davon profitieren. Auch zu der Jugendorganisation vom Global Ecovillage Network, „NextGEN“, gibt es Kontakte. 
Wir überlegen immer wieder, eine Jugendbildungsreferatsstelle im Ökodorf zu schaffen, um unsere Arbeit viel stärker auszudehnen, mit noch mehr Inhalt zu füllen und vor allem verschiedenste Angebote für mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu schaffen. Bisher haben wir hierfür nicht die Kapazitäten gehabt. Unser Traum ist letztlich eine “Lebensschule“, die nicht nur hier einen Platz hat, sondern an allen möglichen Orten der Welt. Wir wollen Visionen initiieren, Veränderung herbeiführen und Mut machen!

Kontakt...

Wer mit uns in Kontakt treten möchte, tut dies am Besten per mail: jule(at)siebenlinden.de. Wir freuen uns über jede Nachricht.

Und wer diesen Text liest und feststellt, zu alt zu sein, uns aber dennoch unterstützen möchte, die/der ist herzlich eingeladen, dies zu tun. Toll ist es, wenn ihr euch von unserer Tatkraft und Energie anstecken lasst. Und wenn ihr anderen von uns weiter erzählt, z.B. euren Nichten und Neffen, falls sie überlegen, nach der Schule ein FÖJ zu machen! Und für unsere vielseitigen Projektideen, die wir in erster Linie gemeinsam mit anderen JuLes aus allen Teilen des Landes (und z.T. der Welt) umsetzen, können wir auch immer wieder finanzielle Unterstützung gebrauchen!